Mit dem Begriff Portrait fand erstmals durch Nicolas Poussins (1594 - 1665) Freund Andre Felibien (1619 - 1695) eine Differenzierung der Gattung Portraitmalerei von dem bis dahin gebräuchlichen "Tableau" (Bild, Gemälde) statt. Die Portraitmalerei jedoch war ausschließlich für die Darstellung von Menschen reserviert.
Für die bildliche Wiedergabe von Tieren sah Felibien dagegen die Bezeichnung "Figure" vor und ordnete sie damit den vegetativen Gebilden wie Pflanzen und Steinen zu, also der untersten Stufe der Seinspyramide.
Als Portraitkünstler des 21. Jahrhunderts und der damit verbundenen Entwicklung in der Wahrnehmung für die "Mitschöpfung" ist für mich das Wort Portrait das einzig angemessene Wort, das den Status des Tieres als Lebewesen wahrt und damit würdig an unsere Seite stellt. In diesem Sinne möchte ich auf die großartigen Tierportraits der Künstlerin Rosa Bonheur (1822 - 1899) hinweisen, deren Bilder kühn und groß jeglicher vermenschlichten "Niedlichkeit" entbehren.