Die wirklich große Zeit des gemalten Portraits beschränkt sich vom Spätmittelalter bis zum 17. Jahrhundert. Neben Fürsten, Angehörigen des hohen Klerus und Adeligen, ließen sich seit dem 15. Jahrhundert besonders Bürgerliche wie Kaufleute, Bankiers, Handwerker, Humanistische Gelehrte und Künstler portraitieren und verschafften sich so im buchstäblichen Sinne "Ansehen". Es ist eine Zeit in der sich alle Typen und Erscheinungsformen herausdifferenzierten, die für die Portraitmalerei der nachfolgenden Jahrhunderte prägend sein sollten. Das galt damals für das, ausschließlich dem Adel vorbehaltenen, Ganzfigurbild. Daneben entwickelten sich zahlreiche Varianten der in dieser Gattung eindeutig dominierenden Büstenportraits. Diese reichen von der würdevoll, hierarchischen Profildarstellung, dem Dreiviertel- und Halbportrait, bis hin zum frontalen, meist sehr suggestiven, en-face-Bildnis. Ein gemaltes Portrait im 21. Jahrhundert kann daher aus einem jahrhundertealten Fundus schöpfen, sich traditioneller Bildformen bedienen, es hat alle Möglichkeiten und ist keinem hierarchischen Reglement unterworfen.