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Pastellmalerei und Portraits

Simone Bingemer wandte sich 1995 nahezu ausschließlich der Portraitmalerei zu, einem schon seit langem gehegten Wunsch. Ihr psychologisches Fingerspitzengefühl, ein origineller Ideenfundus, gepaart mit der professionellen Fertigkeit des traditionellen Handwerks, bewirken, dass ihre Bilder eine besondere, große Lebhaftigkeit ausdrücken. „Die Ähnlichkeit liegt im Auge des Betrachters. Es gibt sie nicht, die deckungsgleiche Ähnlichkeit von Bild und Modell. Portraits sind deshalb immer Interpretationen.“

Die Anfangsphase der Ideenfindung vor der Entstehung des Bildes ist für Simone Bingemer äußerst wichtig. Hier werden zunächst zahlreiche Fotos mit dem Modell erstellt. Aus der Summe der Fotos und dem Verbleib dieser Eindrücke wird später eine Bleistiftskizze gefertigt, die anschließend auf das Arbeitspapier vergrößert übertragen wird. Persönliche Gespräche während des gemeinsamen Fotoshootings schaffen für eine begrenzte Zeit jene Atmosphäre von Privatheit und Nähe. Dieser unmittelbare Kontakt zum Modell und seiner Umgebung, ist die für die Ideengrundlage und deren spätere sichere Bildgestaltung unverzichtbar. Nur so entstehen Portraits, in denen das Wesen eines Menschen akzentuiert durch einige wenige Requisiten und durch eine subtile Farbgebung den Betrachter am Ende mit einem Geheimnis konfrontiert.