In der Malerei ist das Portrait, was die Biographie in der Literatur ist, heißt es. Doch Worte reichen nicht aus, um ein Antlitz erfassend zu beschreiben. Hier versagt die Sprache, denn ihr fehlen die Nuancen, um die Form eines Gesichts, Mimik und Empfindungen wiederzugeben. Das jedoch vermag der Portraitmaler sofern er sensibel ist und sich auf sein Handwerk versteht. Mit Stiften und Farben "beschreibt" er, was ohne ihn vergessen bliebe.
Das gemalte Portrait stellt einen Überaus faszinierenden Aspekt in der Kunst dar. Die klassische Portraitmalerei zu betrachten bedeutet die Menschheitsgeschichte vor sich aufzurollen. Die Individualität, die Einzigartigkeit eines gemalten Portraits, ist für den Portraitkünstler eine intellektuelle Herausforderung, vor allem in einer Zeit, in der durch eine kollektiv hergestellte Bilderflut der Blick auf das Originäre zum Klischee verkommt. Zeitgeist und gesellschaftliche Haltung für das "Eigene" fließ in einem gemalten Portrait mit großer Einfühlsamkeit zusammen.